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Ein Stück weißen Brotes…“ Zum Tode des Komponisten Wolfgang Hufschmidt Im Alter von 84 Jahren verstarb am 18. Juli in seiner Heimatstadt der Essener Komponist Wolfgang Hufschmidt. Als Rektor der Essener Folkwang-Hochschule und langjähriger Präsident der Internationalen Hanns-Eisler-Gesellschaft erwarb er sich bleibende Verdienste um die Entwicklung einer modernen Musikkultur, die gleichermaßen von sozialistischem Engagement wie von einer linken Befreiungstheologie im Sinne Dietrich Bonhoeffers, Martin Luther Kings und Camilo Torres‘ geprägt war. Als Pädagoge und Musikwissenschaftler setzte er sich maßgebend für Hanns Eisler ein, er war einer der Initiatoren und Förderer der neuen Hanns-Eisler-Gesamtausgabe (HEGA), die seit Mitte der 90er Jahre bei Breitkopf&Härtel Wiesbaden erscheint. [...]
Wolfgang Hufschmidt, ein Meister aus Essen, ist 1934 geboren. Als er das zehnte Jahr erreicht, hatte er fünf Friedensjahre und fünf Kriegsjahre erlebt. Er wuchs auf in der Stadt, die einst für Wilhelm II. und Hitler die Kanonen geschmiedet hatte und die nun zerstört am Boden lag. Der Sturm vom Paradiese her, von dem Walter Benjamin spricht, hatte sie vernichtet. Er begann mit religiöser Choralmusik und orientierte sich an der Madrigalkunst von Heinrich Schütz, aber mied die neoklassische Imitation und schrieb keine Glaubens-Operette. Hufschmidts Gott war der Gott der Armen. Sein Ziel, eine Utopie im Sinne Blochs, war die Schaffung eines musikalischen Kosmos. „Die Musik reagiert zumindest auf gesellschaftliche Verhältnisse und geht eigentlich davon aus, daß sich die Welt verändern müßte. So werden die Stoffe gewählt, und so ist meiner Ansicht nach auch der Impetus der Musik”, bekannte er 1995 in einem Gespräch. In der „Weißbrot-Kantate“ von Hanns Eisler geht die Rede von dem Armen-Priester San Berardo, dessen Paradieseswunsch ein „großes Stück weißen Brotes“ ist. Dem widmete auch Wolfgang Hufschmidt sein Künstlerleben. Möge sein Werk unvergessen bleiben, erneut entdeckt und zum Erklingen gebracht werden. (Auszug aus dem Nachruf für unseren langjährigen, sehr verdienten IHEG-Präsidenten Prof. Wolfgang Hufschmidt, verfasst von Dr. Gerhard Müller, Berlin)

Persönliche Erinnerung von seinem ehemaligen Studenten, Prof. Matthias Schlothfeld

Nachruf von Prof. Dr. Andreas Jacob, Rektor der Folkwang Universität der Künste

News

Ausschreibung Eisler-Stipendium 2020 bis 6. Juli 2019

Noch bis zum 6. Juli 2019, Hanns Eislers Geburtstag, läuft die nächste Ausschreibung für das Internationale Hanns Eisler Stipendium 2020 der Stadt Leipzig. Geeignete Komponist*innen aus aller Welt sind eingeladen, sich zu bewerben. Der*die Stipendiat*in wird im Oktober 2019 nach Leipzig geladen und ein Werk wird bereits bei Musica Nova im Leipziger Gewandhaus unter Steffen Schleiermacher aufgeführt werden. Der Einzug in die Wohnung erfolgt April 2020 für 5 Monate.
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HEGA kooperiert mit Akademie der Künste, Berlin

Bis zum Januar 2019 hatte die Arbeitsstelle der Hanns Eisler Gesamtausgabe ihren Sitz am Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Freien Universität Berlin. Seit Februar 2019 ist sie an das Archiv der Akademie der Künste, Berlin, angebunden. Die Hanns Eisler Gesamtausgabe (HEGA) ist als historisch-kritische Edition angelegt und verfolgt das Ziel, sämtliche erhaltenen Kompositionen und Schriften Eislers dem wissenschaftlichen Standard entsprechend herauszugeben. Dabei werden nicht nur die bereits vorliegenden, oftmals mangelhaften Druckausgaben revidiert, sondern große Teile des Œuvres erstmals ediert und zugänglich gemacht. Die Hanns Eisler Gesamtausgabe wird von der Internationalen Hanns Eisler Gesellschaft, Berlin im Zusammenwirken mit dem Archiv der Akademie der Künste, Berlin herausgegeben. Sie erscheint im Verlag Breitkopf & Härtel.

Eisler Mitteilungen 67 erschienen

Das Frühjahrsheft der Eisler-Mitteilungen 2019 ist erschienen. Unter dem Heft-Motto "Adelante, batallones!" gibt es u. a. einen Beitrag zu Eisler und die Militärmusik von Tobias Faßhauer und einen über Eislers Spanienaufenthalt (1931–1939) von Diego Alonso Tomás, der mit Förderung der DFG zu bisher nicht beantworteten Fragen zu Eislers Spanienzeit, zur Rezeption und dem Einfluss seiner Musik in Spanien forscht. Abgedruckt wurde zudem ein Auszug aus dem "Klubgespräch" mit Hanns Eisler an der Humboldt-Universität zu Berlin aus dem Jahr 1961 mit spannenden Äußerungen zur Militärmusik sowie das letzte Kapitel aus Heidi Harts Publikation "Hanns Eisler's Art Songs: Arguing with Beauty, Rochester, NY: Camden House, 2018, in welchem sie sich auf verschiedenen Ebenen aktuell-politischen und künstlerisch-ästhetischen Zeitbezügen widmet. Jürgen Schebera berichtet über die "Affäre Deutsche Symphonie" auf dem IGNM-Musikfest in Paris 1937. Ebenfalls abgedruckt wurden Auszüge aus der Einleitung von Johannes C. Gall zum unlängst erschienenen HEGA-Band A-cappella-Chöre 1925–1932. Das Heft wird abgeschlossen mit einem Beitrag von Werner Kopfmüller über die Arbeit des Eisler-Hauses Leipzig e.V. und mit den Rubriken Aufführungen, Vorschau, Gedenken, IHEG.
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Eisler-Bühnenmusik in Berlin und Leipzig

Aktuell gibt es gleich zwei Brecht-Theaterstücke, in denen Eislers Bühnenmusik gespielt wird. Am Berliner Ensemble inszenierte Frank Castorf Galileo Galilei. Das Theater und die Pest. Von und nach Bertolt Brecht mit Musik von Hanns Eisler. Am Leipziger Schauspielhaus erfährt Die Maßnahme / Die Perser eine dritte Wiederaufnahme.

A-cappella-Chöre bei Breitkopf & Härtel erschienen

Zum 300. Jubiläum des Verlags Breitkopf & Härtel ist im Rahmen der Hanns Eisler Gesamtausgabe Band 5 der Serie I (Chormusik) erschienen: A-cappella-Chöre 1925–1932, herausgegeben von Johannes C. Gall. Die vor allem für die Arbeiterbewegung der Weimarer Republik relevanten Kompositionen lagen bisher nur in zum Teil schwer greifbaren Einzelausgaben vor. Ein großer Gewinn des Bandes I/5 besteht in der erstmaligen vollständigen Zusammenstellung der Chorstücke aus den Jahren 1925 bis 1932. Insbesondere für professionelle und semiprofessionelle Chorvereinigungen dürfte dieser Band eine echte Entdeckung sein.
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